| noch einmal
"König Dampf" erleben......
Wer heutzutage das ultimative Dampferlebnis sucht, für den führt an China kein Weg vorbei. Die Zeit drängt, das Ende der Dampftraktion im Reich der Mitte geht unweigerlich zuende. Eine weite Reise ist angesagt. Von Europa benötigt man ca. 10 Flugstunden bis Peking, dann mit der Bahn 10 Stunden sowie 5 Stunden mit dem Bus. Als Entschädigung für die Strapaze wird dem Eisenbahnfreund entlang der JiTong-Bahn in der Inneren Mongolei Dampfbetrieb vom Feinsten geboten. Und wir haben es genossen. Wir-, das sind 28 Eisenbahnverrückte aus der ganzen Welt. Am Jinpeng-Pass wollen wir die Bilder unseres Lebens machen. Doch einige Anmerkungen zur JiTong-Bahn: Der Bau begann im Jahre 1990, die Eröffnung wurde auf den 1. Dezember 1995 datiert. Über 12,5 Millionen Tonnen Güter wurden zwischen den Nordost- und Nordwestprovinzen Chinas im Jahr 2003 transportiert. Die Streckenlänge beträgt 950 km, den Höhepunkt bildet die Überquerung des Jingpeng-Passes. Die Züge fahren in einer Höhe von rund 1200 m. Nach meinem ersten Besuch der Jitong-Bahn im Jahre 2002 gibt es diesmal einen besonderen Grund: die Einstellung des Dampfbetriebes steht unmittelbar bevor.
China, ein Land mit riesigen Kohlevorkommen, verabschiedet sich vom Dampfbetrieb. Die Gründe liegen woanders, denn die Kapazität der Strecke ist erschöpft. Folglich müssen die Zuggewichte erhöht werden. Bei der BR QJ ist bei 2300 t das Ende der Fahnenstange erreicht. Darüber hinaus gilt nur noch der Einsatz dieselelektrischer Loks. Im Ferbuar 2005 herrschten in der Mongolei Temperaturen unter 30 Grad Minus. Solide winddichte Kleidung sind Pflicht, da der ständig wehende Wind einem förmlich die Wärme aus der Kleidung bläst. Die gefühlte Temperatur erreicht schnell den Wert von 50 Grad Minus. Für zartbesaitete Eisenbahnfreunde kann eine solche Reise freilich zu einer Qual werden. Die tägliche Begegnung mit einheimischen Bewohnern, die in bitterer Armut leben, zeigt eigentlich, wie gut es uns geht. Diese Eindrücke nimmt er mit nach Hause. Die Reisegruppe, ein zusammengewürfelter Haufen von
Eisenbahnfreunden aus aller Welt hatte das gleiche Ziel: den letzten Plandampf
auf unserem Globus zu erleben. Der Tagesablauf ist immer gleich. 5,00 Uhr wecken, Katzenwäsche, längeres Ankleiden bedingt durch Thermokleidung, Schnellfrühstück in einer Kneipe. Dauer 15 Minuten. Weißbrot und grüner Tee, hin und wieder dünner Kaffee. Dann in den Bus mit Dolmetscherin. Los gehts an die Strecke, meist eine Stunde Fahrzeit. Es ist kalt im Bus, doch der aggressive Fahrstil unseres Fahrers lässt keinen so richtig zur Ruhe kommen. Ziel erreicht, aussteigen, Fotoposition einnehmen, Zug kommt vorbei, zusammenpacken, einsteigen und weiterfahren. Das ist der Tagesrhythmus. Mittags Nudelsuppe, dann wieder an die Strecke. Am Jingpeng-Pass kann schon mal gekraxelt werden. Am frühen Abend Richtung Quartier, hier wie jeden Tag die gleiche Prozedur. Duschen, essen, quatschen, danach ins Bett. 5.00 Uhr wecken. Wie man sieht, handelt es sich hier nicht um einen Erholungsurlaub. Am Ende der Reise freut man sich auf den langen Rückflug, wo man endlich lange schlafen kann. Trotz aller Strapazen und Entbehrungen, sowie der klirrenden
Kälte, ist man gefangen von der grandiosen offenen Berglandschaft
und den turmhohen Dampfpilzen der schwer arbeitenden QJ vor ihren Zügen. Gerd Kozinowski, 2005 |